Die felto – Filzwelt Soltau kann sich über eine besondere Auszeichnung freuen:
Aus den Händen von VGH-Regionaldirektor Peter Baresa und von Wilken von Bothmer, Präsidierender Landschaftsrat der Landschaft des vormaligen Fürstentums Lüneburg, nahm das felto-Team kürzlich den VGH-Förderpreis für Museumspädagogik entgegen.

Überzeugt hat die Fachjury das Projekt „Filz – Farben – Fühlen“.
Bunt, weich, traditionsreich und innovativ, nützlich, natürlich und kunstvoll: Filz ist ein barrierearmes und über Grenzen hinweg verbindendes Material, das Menschen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen vielfältige Erfahrungs- und Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Das besondere Potential, das Filz gerade auch für Menschen mit Handicaps bietet, möchte die Filzwelt mit diesem Projekt gezielt nutzen und weiterentwickeln.

Dabei setzt sie auf zwei Ebenen an:
1. In der Dauerausstellung entsteht ein Sinnespfad, der Hör-, Tast- und Geruchserfahrungen bündelt. Er bindet bestehende Elemente (wie eine Zerreißprobe) ein und schafft darüber hinaus neue Stationen – z.B. Fühlbeispiele zu unterschiedlichen Wollsorten und daraus gearbeiteten Filzen oder einen Geschichtengang mit fantasieanregenden Tastbildern. Der Sinnespfad wird allen Besuchern der Filzwelt zugutekommen: Ob mit oder ohne Handicap, erschließt er zusätzliche Erfahrungsmöglichkeiten und Erkenntniswege.
2. Im Bereich der Vermittlungsangebote werden spezielle Workshops und Führungsformate entwickelt, die auf Teilnehmer mit verschiedenen Einschränkungen oder besonderen Bedürfnissen abgestimmt sind. Wie lässt sich der Filzvorgang z. B. für Menschen mit Bewegungseinschränkungen so modifizieren, dass sie möglichst eigenständig arbeiten können? Mit welchen Requisiten kann eine Führung in einfacher Sprache ergänzt werden?
Die Filzwelt reagiert damit auf eine wachsende Nachfrage: Gruppen vom psychiatrischen Wohnheim bis zum heilpädagogischen Kindergarten wünschen sich passende Angebote.

Der Förderpreis für Museumspädagogik wird von der VGH-Stiftung seit sechzehn Jahren landesweit an bis zu sechs Projekte vergeben, wie Stiftungsdirektorin Dr. Sabine Schormann erläuterte. Sie betonte, dass es sich dabei um einen Förderpreis handelt, der Ideen auszeichnet und deren Verwirklichung mit einem Preisgeld von 3500 Euro unterstützt. Auch das Filzwelt-Projekt ist nicht abgeschlossen, sondern befindet sich mitten in der Umsetzung. Nachdem in der Vergangenheit das Spielmuseum bereits zweimal zu den Preisträgern gehörte, konnte mit der Filzwelt nun insgesamt zum dritten Mal ein von der Stiftung Spiel initiiertes Projekt die Auswahlkommission überzeugen.
Die Kontinuität und Qualität der musealen Vermittlungsarbeit in beiden Einrichtungen hob auch Landrat Manfred Ostermann in seinem Grußwort hervor.
Mathias Ernst, ehrenamtlicher Vorstand der Filzwelt, zeigte sich überzeugt von der tiefen Wirkungskraft, die Museen entfalten können, indem sie bleibende Erlebnisse und individuell prägende Erfahrungen ermöglichen. Er unterstrich, dass die Filzwelt sich als inklusive Einrichtung versteht. Mit dem neuen Projekt knüpft sie an bestehende Kooperationen mit den Heide-Werkstätten und der Lebenshilfe Soltau an und baut einen besonderen Schwerpunkt weiter aus.
Musikalisch setzte Maan Srour, syrischer Gastkünstler bei Stiftung Spiel und Heidekreis-Musikschule, einen besonderen Akzent mit seiner orientalischen Laute, der Oud.

Im Anschluss an den offiziellen Teil der Preisverleihung hatten die Gäste Gelegenheit, konkrete Beispiele aus der Projektarbeit praktisch zu erproben: Kunstvolle Filzteppiche mit abwechslungsreich gestalteten Oberflächen luden zu Sockenwanderungen oder Erkundungen mit den Fingern ein. Am Fühl-Spiel-Tisch konnten u.a. Formen gelegt und Filzkartenpaare ertastet werden. Es galt, Materialproben von loser Wolle bis zu festem Filz vergleichend abzuwägen oder Woll- und Synthetikfilz einer Geruchsprobe zu unterziehen. Mit einer Reihe von Klöppelvarianten ließen sich einer Klangschale verschiedene Töne entlocken. Am Filz-Arbeitstisch demonstrierte Filzpädagogin Angelika Bonas verschiedene Werkzeuge und Hilfsmittel.
So entfaltete sich ein vielfältiges Panorama zusätzlicher sinnlicher Erfahrungsmöglichkeiten, die nun Schritt für Schritt Eingang in die Ausstellungsgestaltung und das Programmangebot der Filzwelt finden.